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    Keywords
    Reine Werkbänke
    Sicherheitswerkbänke
    Mikrobiologische Sicherheitswerkbänke
    Produktschutz
    Personenschutz
    Zytostatika-Werkbänke
    Schutzmaßnahmen

    GMP-Anforderungen an Werkbänke und Sicherheitswerkbänke
    Reinraum
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    Klassifizierung von Werkbänken nach Anhang 1 des EU-GMP-Leitfadens Reine Werkbänke Mikrobiologische Sicherheitswerkbänke Zytostatika-Werkbänke Aufstellung Anschluss an das Lüftungssystem Filter in Sicherheitswerkbänken Installationen innerhalb von Sicherheitswerkbänken Fazit
    Autor
    Andreas Nuhn
    Dipl.-Ing. Andreas Nuhn beschäftigte sich bald nach seinem Studium der Verfahrenstechnik an der TH Karlsruhe mit der Planung und Qualifizierung von Anlagen für die Pharma- und Medizinprodukteindustrie. Von 1996 bis 2013 war er bei Pharmaherstellern und Planungsbüros tätig. Seit 2013 ist er selbstständig und berät die Pharma- und Medizinprodukteindustrie in GMP- und Technikprojekten. Neben der Beratungstätigkeit ist er auch als Referent und Autor tätig.
    Andreas Nuhn · GMP-Beratung Nuhn, Niederneisen

    Korrespondenz:

    Andreas Nuhn, GMP-Beratung Nuhn, Im Brühl 2, 65629 Niederneisen;
    e-mail: anuhn@gmp-nuhn.de

    Zusammenfassung

    Sicherheitswerkbänke werden im pharmazeutischen Betrieb aufgrund ihrer Konstruktion für das „sichere Arbeiten“ eingesetzt. Der Beitrag beschreibt drei Arten von Sicherheitswerkbänken, die entweder nur Produktschutz oder Produkt- und Personenschutz bieten. Je nach Anforderung werden Reine Werkbänke z. B. bei Sterilitätstests, Mikrobiologische Sicherheitswerkbänke bei der Arbeit mit Mikroorganismen oder Zytostatika-Werkbänke bei der Zubereitung von CMR-Präparaten (cancerogen, mutagen, reprotoxisch) verwendet. Im Folgenden werden die verschiedenen Anforderungen an Werkbänke beschrieben, um die passende Auswahl zu erleichtern.

    Reine Räume im pharmazeutischen Betrieb dienen dazu, Produkte vor Kontaminationen zu schützen. In bestimmten Fällen ist es jedoch notwendig, nicht nur das Produkt vor Kontaminationen (hauptsächlich durch Mikroorganismen) zu schützen, sondern auch die Umgebung vor dem Produkt zu schützen. Dazu zählen z. B. Arbeiten mit biologischen Arbeitsstoffen wie auch mit sonstigen reproduktionstoxischen, kanzerogenen und mutagenen Arbeitsstoffen (z. B. Zytostatika, monoklonale Antikörper oder Virustatika). Zu den betroffenen biologischen Arbeitsstoffen zählen Mikroorganismen jeglicher Art, die infektiös oder toxisch sind oder ein allergenes Gefährdungspotenzial für Menschen aufweisen.

    Um einen Vollschutz für die Mitarbeiter zu vermeiden bzw. den erforderlichen Reinraum auf ein Minimum zu begrenzen, werden in den meisten Fällen Werkbänke eingesetzt. Es existieren drei Typen von Werkbänken, die in den nachfolgenden Abschnitten vorgestellt werden:

    • Reine Werkbänke

    • Mikrobiologische Sicherheitswerkbänke Klasse I-III

    • Zytostatika-Werkbänke

    Klassifizierung von Werkbänken nach Anhang 1 des EU-GMP-Leitfadens

    Bei der Klassifizierung des Bereiches innerhalb der Werkbank ist darauf zu achten, dass für die Reinraumklasse A gem. EU-GMP-Leitfaden Anhang 1 eine Luftgeschwindigkeit von 0,45 m/s ±20 % gefordert wird. Eine Geschwindigkeit mit entsprechendem Abstand zur unteren zulässigen Grenze wird von den meisten Herstellern solcher Werkbänke nur bei hoher Leistung der Ventilatoren mit einer entsprechenden Geräuschentwicklung erreicht. In der Regel sind Strömungsgeschwindigkeiten von 0,35 bis 0,45 m/s vorgesehen. Dies resultiert aus der Vorgabe in der EN ISO 14644-4, in der für eine turbulenzarme Verdrängungsströmung nur 0,2 bis 0,5 m/s gefordert sind.

    Reine Werkbänke

    Reine Werkbänke dienen nur dem Schutz des Produktes. Durch eine turbulenzarme Verdrängungsströmung innerhalb der Werkbank, die sowohl vertikal als auch horizontal sein kann, wird das Produkt vor Außeneinflüssen geschützt. Diese Art von Werkbänken wird in der Pharmaindustrie häufig im Bereich des Probenzuges oder bei Handabfüllungen eingesetzt, das heißt immer dann, wenn nur ein begrenzter Reinraumbereich benötigt wird, bei dem ausschließlich Produktschutz gefordert ist.

    Die Konstruktion dieser Art von Werkbänken ist meistens sehr einfach gestaltet. Sie bestehen aus einem Gehäuse, das aus pulverbeschichtetem Blech oder in einigen Fällen auch aus melaminbeschichtetem Holz besteht. Der Ventilator saugt die Luft über einen Vorfilter aus dem Raum und bläst sie anschließend durch einen HEPA-Filter1) (Klasse H13 oder H14) in Richtung Produkt und auf den Benutzer (s. Abb. 1). Diese Art von Arbeitsplatz wird im Arbeitsalltag auch gerne als Clean Bench, LF-Box oder Sterilbank bezeichnet.

    Da für den Benutzer Reine Werkbänke mit einer vertikalen Luftströmung und Mikrobiologische Sicherheitswerkbänke meist nicht zu unterscheiden sind, sollte ein Warnhinweis angebracht sein, dass diese Werkbank nur einen Produktschutz bietet.

    Mikrobiologische Sicherheitswerkbänke

    Je nach Ausführung bzw. Klassifizierung dienen Mikrobiologische Sicherheitswerkbänke (MSW) ausschließlich dem Personenschutz oder sowohl dem Personen- als auch dem Produktschutz.

    Entsprechend der DIN EN 12469 2000-09 werden die Mikrobiologischen Sicherheitswerkbänke in drei Klassen unterteilt:

    Klasse I

    MSW dieser Klassifizierung dienen nur dem Personenschutz. Durch die Arbeitsöffnung wird die Luft aus dem Arbeitsraum über die Arbeitsfläche gesaugt. Sollten Partikel oder Aerosole bei der Arbeit freigesetzt worden sein, werden sie auf diese Art und Weise in den Abluftfilter (meistens ein HEPA-Filter) befördert. Auf diesem Weg wird die Umgebung vor allen Stoffen geschützt, mit denen innerhalb der Werkbank gearbeitet wird.

    Dieser Schutz kann so lange aufrechterhalten werden, wie der Luftstrom nicht behindert oder unterbrochen wird (z. B. durch das Aufstellen größerer Geräte direkt hinter der Arbeitsöffnung) und somit ausreichend Luft eingesaugt wird, um die Partikel mitzutragen.

    Diese Werkbänke werden hauptsächlich in biologischen Laboratorien eingesetzt, wenn ein Produktschutz nicht erforderlich ist, etwa bei der Auswertung von mikrobiologischen Proben, die anschließend ohnehin vernichtet werden. Werkbänke dieser Klasse dürfen entsprechend der DIN 12128 nur in Laboratorien der Schutzklasse S3 eingesetzt werden.

    Nicht zu vergleichen ist eine MSW der Klasse I mit einem Laborabzug, wie er aus chemischen Laboratorien bekannt ist. Die Zielsetzung ist zwar die gleiche, jedoch unterscheiden sie sich in Aufbau und sicherheitstechnischen Anforderungen.

    Klasse II

    Dies sind die am häufigsten eingesetzten Werkbänke; man findet sie in biologischen und pharmazeutischen Laboratorien, z. B. im Bereich der Sterilprüfung. MSW dieser Klasse dienen sowohl dem Produktschutz als auch dem Personenschutz. Im Allgemeinen werden ca. 70 % des Luftstromes über den Hauptfilter wieder von oben nach unten in einer vertikalen laminaren Fallströmung (dem sog. Downflow) bis zu den an den Rändern der Arbeitsfläche befindlichen Absaugöffnungen geführt. Die verbleibenden 30 % werden über HEPA-Filter wieder in den Raum abgegeben. Gleichzeitig bilden 30 % der Luft aus dem Raum, die über die vordere Ansaugöffnung eingesaugt werden (Inflow), einen Luftvorhang für den Personenschutz. Ein Schema hiervon ist in Abb. 2 dargestellt.

    Der Schutz ist solange wirksam, wie die Luftströmung ungehindert ist. Durch Störung des laminaren Luftstromes kann es leicht zu Turbulenzen kommen, die beträchtliche Mengen aerosolhaltiger Luft aus der Arbeitszone freisetzen und das Personal gefährden können.

    Die Strömungsverhältnisse im Normalbetrieb und im Fall einer Störung sind in Abb. 3 schematisch dargestellt.

    Für einen effektiven Schutz ist ein entsprechendes Verhältnis zwischen dem Downflow und dem Inflow notwendig. Eine Reduzierung des Downflow, wie er von einigen Herstellern und/oder Betreibern vorgenommen wird (z. B. um Energiekosten zu sparen, eine längere Filterstandzeit zu realisieren oder kleinere und damit kostengünstigere Ventilatoren einsetzen zu können), führt gleichzeitig zu einer Reduzierung des Inflow und damit zu einem reduzierten Schutz für den Benutzer.

    Zu berücksichtigen ist auch, dass Hände und Arme des Benutzers durch die Werkbank nicht geschützt werden. Hierfür ist die Benutzung einer für den Einsatzzweck geeigneten persönlichen Schutzausrüstung notwendig.

    Die höhenverschiebbare Frontscheibe dient dazu, den Luftstrom zu steuern. Die Öffnung wird auf die arbeitstechnisch minimale Größe reduziert. Im Allgemeinen sind dies 250 bis 300 mm. Hierdurch wird die Strömungsgeschwindigkeit des Inflow entsprechend hoch gehalten. Außerhalb der Arbeitszeiten sollte die Öffnung geschlossen werden, um die Werkbank bei ausgeschalteter Lüftung vor Verunreinigungen zu schützen. Die Öffnung kann für Reinigungs- und Wartungsarbeiten auch vergrößert werden, um dem Benutzer die Durchführung dieser Art von Arbeiten komfortabler zu gestalten. Bei älteren Werkbänken besteht die Frontscheibe manchmal noch aus Kunststoff, die Neueren besitzen in der Regel Glasscheiben. Da durch die regelmäßige Anwendung von z. T. auch aggressiven Desinfektionsmitteln Kunststoffscheiben auf Dauer blind werden können, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass diese aus Glas sind.

    Die Arbeitsfläche besteht aus Edelstahl, um gegen die gängigen Reinigungs- und Desinfektionsmittel resistent zu sein. Durch die Luftschlitze im vorderen und hinteren Teil kann es immer wieder zu Verunreinigungen unterhalb der eigentlichen Arbeitsfläche kommen. Üblicherweise ist die Arbeitsfläche daher in einzelne Platten unterteilt. Diese können für die Reinigung des Bereiches unter der eigentlichen Arbeitsfläche einfach entnommen oder verschoben werden.

    Durch die Schlitze zwischen den einzelnen Segmenten kann es, je nach Gestaltung der einzelnen Platten, allerdings bei auslaufenden Flüssigkeiten ebenfalls zu Verunreinigungen des Bereiches unterhalb der eigentlichen Arbeitsfläche kommen. Dieser Bereich muss bei aseptischer Produktion regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden – unabhängig von offensichtlichen Verunreinigungen.

    MSW der Klasse II gibt es mit einem 2- oder 3-Filter-System. Das 3-Filter-System schützt schwer zugängliche Bereiche, z. B. den Innenraum der Luftrückführung in der Werkbank, vor partikulärer Kontamination. Die DIN 12469 fordert auch, dass Luftkanäle, in denen sich kontaminierte Luft befinden kann, so kurz wie möglich gehalten werden. Des Weiteren entfernt dieser Filter einen hohen Anteil an Partikeln aus der Luft. Die nachfolgenden Filter werden mit nahezu partikelfreier Luft beaufschlagt, was zu einer deutlich höheren Lebensdauer führt.

    Der dritte Filter (in Luftrichtungsströmung der erste Filter, daher häufig auch als erster Filter oder erste Filterstufe bezeichnet) ist im hinteren Bereich der Werkbank installiert, meist oberhalb des Fußraumes (s. Abb. 4). Diese Werkbänke sind sehr einfach an der Schräge unter der Arbeitsfläche zu erkennen. Da diese Filter entsprechend der DIN 12980 kontaminationsarm gewechselt werden sollen, sind sie segmentiert, d. h. in einzelne Elemente unterteilt. Diese Elemente sind so groß, dass sie in zertifizierte Entsorgungsbeutel verpackt und anschließend entsorgt werden können. Der Austausch dieses Filters sollte nur durch entsprechendes Fachpersonal durchgeführt werden. Kontaminationsarmer Filterwechsel bedeutet, dass dies während des laufenden Betriebes und damit unter Aufrechterhaltung des Personenschutzes geschieht. Die Filter sollten nur dann gewechselt werden, wenn sie beschädigt sind oder der Druckverlust zu hoch ausfällt. Die Hersteller geben im Allgemeinen Grenzwerte für den maximalen Druckverlust am Filter vor.

    Die beiden anderen Filter, der Umluftfilter sowie der Abluftfilter, sind meistens nicht segmentiert, sondern haben die gängigen Filtergrößen. Sollte ein Austausch dieser Filter aufgrund einer Kontamination z. B. bei Beschädigung des ersten Filters notwendig sein, ist dies immer mit sehr hohem Aufwand verbunden, da der gesamte Bereich sowie die Service-Techniker geschützt und die Filter auf ein entsorgungsfähiges Format zerteilt werden müssen.

    In einzelnen Situationen werden heutzutage statt Mikrobiologischen Sicherheitswerkbänken der Klasse II oder Zytostatika-Werkbänken auch Isolatoren bzw. Mikrobiologische Sicherheitswerkbänke der Klasse III eingesetzt.

    Mikrobiologische Sicherheitswerkbänke der Klasse II, die für die Herstellung von CMR-Materialien2) verwendet werden (im allgemeinen Sprachgebrauch als Zytostatika-Werkbänke bezeichnet), müssen den Anforderungen der DIN 12980:2005-08 genügen. Es handelt sich dabei um eine rein deutsche Norm, die jedoch von den meisten europäischen Ländern übernommen wurde. Geräte, die für mikrobiologische oder biotechnologische Arbeiten verwendet werden, haben der DIN 12469:2000-09 zu entsprechen. Beide Normen sind sich im Hinblick auf sicherheitstechnische Anforderungen und deren Prüfungen sehr ähnlich.

    Klasse III

    Die Mikrobiologische Sicherheitswerkbank der Klasse III ist ein geschlossenes, unter Unterdruck stehendes System. In puncto Aufbau und Benutzung gleicht diese MSW einem Isolator. Das Arbeiten erfolgt mit fest eingebauten Handschuhen, das Ein- und Ausbringen von Materialien geschieht ausschließlich über Schleusen, in denen eine entsprechende Dekontamination stattfindet. Die HEPA-filtrierte Zu- und Abluft wird so geregelt, dass der Unterdruck in der Werkbank bei allen Arbeitsschritten erhalten bleibt. Vorteil dieses Systems ist der hohe Schutz der Benutzer, da hier eine physikalische Trennung zwischen dem Bediener und dem Produkt besteht und die Trennung nicht nur über einen Luftschleier wie bei den MSW der Klasse II erfolgt. Nachteile sind die recht aufwendige Handhabung der einzubringenden Materialien wegen der Schleusen sowie das umständliche Arbeiten wegen der recht dickwandigen fest eingebauten Handschuhe.

    Zytostatika-Werkbänke

    Die im Folgenden genannten Anforderungen stehen meistens in Zusammenhang mit der Zubereitung von Zytostatika, gelten jedoch gleichermaßen für andere Substanzen, z. B. sonstige CMR-Substanzen, gentechnisch veränderte Organismen oder Mikrobiologische Organismen der Risikogruppen BSL3) 2 bis 4.

    Aufstellung

    Bei der Aufstellung von einer oder mehreren Werkbänken in einem Raum muss ausgeschlossen werden, dass beide Werkbänke sich gegenseitig oder sonstige Arbeitsplätze in dem Raum die Schutzfunktionen der Werkbank negativ beeinflussen. Aus diesem Grund sind z. B. im Qualitätsstandard für pharmazeutischonkologischen Service (QuApos) entsprechende Mindestanforderungen an einen Raum gegeben, in dem eine Werkbank aufgestellt werden soll:

    • Fläche des Raumes mind. 10 m2

    • Höhe des Arbeitsraumes mind. 2,5 m

    • freie Bewegungsfläche am Arbeitsplatz soll nicht kleiner als 1,5 m2 und an keiner Stelle weniger als 1 m breit sein

    • Minimalabstände: 1,2 m und 0,3 m seitlich der Werkbank dürfen sich keine Möbel, Geräte oder Wände befinden

    Umfangreichere Aussagen zu den Minimalabständen findet man in dem British Standard BS 5726 Part 2, 2005 (s. Tab. 1).

    Tabelle 1

    Abstände gem. BS 5726 Part 2, 2005
    Abstand…
    vor der Werkbank (störungsfreie Zone)1,0 m
    zu seitlichen Mauern, Pfeiler0,3 m
    zu seitlichen Arbeitsflächen1,0 m
    zu einer seitlichen Tür1,0 m
    zu einer gegenüberliegenden Arbeitsfläche1,5 m
    zu einer gegenüberliegenden Mauer2,0 m
    zu einer gegenüberliegenden Werkbank3,0 m
    zu einer gegenüberliegenden Tür1,5 m
    Eine störungsfreie Zone von 1,0 m soll auch seitlich der Werkbank eingehalten werden.

    Es ist nachgewiesen, dass Personen, die vor einer Werkbank vorbeigehen, die Schutzfunktion der Werkbank stark beeinflussen. Insofern sollten bestimmte Aktivitäten im Raum bei der Durchführung kritischer Arbeitsschritte unterlassen werden. Ebenso wird die Schutzfunktion durch den Benutzer selbst durch die Bewegung der Arme beeinflusst.

    Anschluss an das Lüftungssystem

    Bei Werkbänken, in denen mit gesundheitsgefährdenden Substanzen gearbeitet wird, darf die Abluft nicht wieder zurück in den Raum gegeben werden. Eine Ausnahme gibt es bei Werkbänken, die nicht direkt an die Abluft angeschlossen werden können. In diesem Fall muss eine zweifache Filterung der Abluft mit H13- oder H14-Filtern stattfinden. In diesem Fall ist nachzuweisen, dass keine Stoffe aus der Werkbank in den umgebenden Raum gelangen. Aus diesem Grund ist bei Neuinstallation unbedingt darauf zu achten, dass die Werkbänke an die Abluft angeschlossen werden können. Da die Abluftventilatoren des Zentrallüftungsgerätes erfahrungsgemäß gewisse Schwankungen aufweisen, ist von einem festen Anschluss abzuraten. Ist die abgesaugte Luftmenge größer, kann es sein, dass die Schutzfunktion für das Produkt nicht mehr gegeben ist. Ist die Luftmenge kleiner, so kommt es zu einem Rückstau innerhalb der Werkbank und der Personenschutz kann nicht mehr aufrechterhalten werden. Daher wählt man meistens keinen festen, sondern einen offenen Anschluss, bei dem die Differenzluftmenge aus dem Raum entnommen wird. Die beiden Lüftungsrohre sitzen zentrisch ineinander und haben einen Spalt, durch den die Differenzluftmenge angesaugt werden kann (s. Abb. 5).

    Es muss dabei sichergestellt sein, dass die Luftmenge, die vom Lüftungssystem angesaugt wird, immer größer ist als die Abluft der Werkbank. Andererseits darf der Spalt nicht zu groß sein, damit immer eine ausreichende Luftgeschwindigkeit gehalten werden kann, mit der sichergestellt wird, dass keine Abluft der Werkbank in den Raum gelangen kann. Bei einem Ausfall der zentralen Abluft muss automatisch ein Alarm ausgelöst und die Arbeiten innerhalb der Werkbank müssen umgehend eingestellt werden. Der Alarm erfolgt im Allgemeinen akustisch und optisch, um sicherzustellen, dass er auch von allen Mitarbeitern/innen wahrgenommen wird.

    Hilfreich ist diese Konstruktion auch, wenn die Werkbank nicht durchgängig 24 Stunden am Tag betrieben wird, sondern z. B. nur tagsüber oder bei Bedarf. Die Luftbilanz für den Raum, in dem die Werkbank aufgestellt wird, sollte immer gleich sein, um die Regelung des Klimazentralgerätes nicht zu überfordern.

    Beispielrechnung: Bei Betrieb der Werkbank wird eine Luftmenge von 400 m3/h über die Arbeitsöffnung aus dem Raum in die Werkbank eingesaugt. Diese Luftmenge entspricht auch der Abluftmenge der Werkbank. Da die Fortluftmenge größer sein muss, wählt man z. B. 500 m3/h. Die Differenzluftmenge beträgt demnach 100 m3/h. Im Nichtbetrieb der Werkbank fehlen 400 m3/h in der Fortluft, die Differenzluftmenge sind dann 500 m3/h. Dieser Ausgleich ist ohne regelungstechnischen Aufwand nur über die oben beschriebene Konstruktion möglich.

    Filter in Sicherheitswerkbänken

    Die Filter in den Sicherheitswerkbänken sind die elementarsten Bauteile. Um einen umfassenden Schutz für das Produkt und die Personen zu gewährleisten, müssen mindestens HEPA-Filter der Klasse H14 verwendet werden.

    Diese Filter können nur dann ihre volle Filterleistung erbringen, wenn sie entsprechend leckagefrei und unbeschädigt eingebaut sind. Aus diesem Grund werden die Filter nach der Montage und in regelmäßigen Abständen überprüft. Dies erfolgt durch eine sog. Dichtsitzprüfung und den Leckagetest. Da als Prüfaerosol heutzutage meistens DEHS (Di-Ethyl-Hexyl-Sebacat) verwendet wird, wird dieser Test auch gerne als DEHS-Test bezeichnet. Die Vorgehensweise und auch die Akzeptanzkriterien bei der Filterprüfung sind in der EN ISO 14644-3 beschrieben. Der DEHS-Test wird nach einer Neuinstallation oder nach einem Filterwechsel durchgeführt. Zusätzliche regelmäßige Test sind normalerweise nicht erforderlich, können aber z. B. im Rahmen der jährlichen Requalifizierung durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass keine Beschädigungen am Filter vorliegen. Diese sind durch die Luft bei Aufstellungen im Reinraum sehr unwahrscheinlich.

    Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Filter auch während des Betriebes vor Beschädigungen geschützt werden müssen. Zum einen können die Beschädigungen direkt durch den Benutzer verursacht werden, etwa während des Umräumens von Material innerhalb der Werkbank. Zum anderen liegt eine Beschädigung des Filters auch dann vor, wenn ausgetretene Flüssigkeit z. B. in Folge einer Unachtsamkeit durch den Benutzer in den Filter eintritt.

    Installationen innerhalb von Sicherheitswerkbänken

    In vielen Fällen sind heutzutage Sicherheitseinrichtungen gefordert, die den ordnungsgemäßen Betrieb einer Sicherheitswerkbank gewährleisten sollen. Dies gilt vor allem dann, wenn Sicherheitswerkbänke in Betrieben mit einer Herstellerlaubnis nach AMG § 13 verwendet werden.

    Luftgeschwindigkeitsüberwachung

    Wie oben bereits erwähnt, wird für die Reinraumklasse A eine definierte Luftgeschwindigkeit gefordert. Diese muss gemäß den Anforderungen des EU-GMP-Leitfadens kontinuierlich überwacht werden. Zur Überwachung werden aufgrund ihrer kompakten Bauweise meistens Hitzedrahtanemometer eingesetzt. Ein entsprechender Alarm wird ausgelöst, wenn die Luftgeschwindigkeit für eine längere Zeitdauer (z. B. > 2 min) den Wert von 0,36 m/s unterschreitet. In diesem Fall sind weder der Personen- noch der Produktschutz gewährleistet (Verhältnis Inflow zu Downflow entspricht dann nicht mehr dem getesteten und damit zertifizierten Wert).

    Isokinetischer Probennehmer für Partikel

    Ein wesentlicher Punkt zur Bewertung der Reinheit der Luft ist die Messung der Partikel. Aus diesem Grund ist z. B. für die Reinraumklasse A eine kontinuierliche Überwachung der Luftreinheit während der Arzneimittelherstellung gefordert. Innerhalb einer laminaren Luftströmung erfolgt dies mit entsprechend ausgeführten Probennehmern, welche die laminare Luftströmung nicht stören. Die Aufstellung von mobilen Geräten innerhalb der Werkbank ist in den meisten Fällen aufgrund der begrenzten Platzverhältnisse nur schwer möglich. Aus diesem Grund sollten Anwender den Probennehmer fest in die Rückseite der Werkbank einbauen lassen und über einen entsprechenden Schlauch (z. B. BEV-A-Line mit einer extrem glatten Innenseite, die zum Transport von luftgetragenen Partikeln geeignet ist) mit der Auswerteeinheit verbinden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Schläuche möglichst nur 1 bis 1,5 m, jedoch nicht länger als 3 m sein sollen. Andernfalls können sich Partikel in dem Schlauch ablagern und schubweise mitgerissen werden, wodurch das Messergebnis verfälscht wird.

    Luftkeimsammler

    Es kann auch sinnvoll sein, die Sonde für den Luftkeimsammler bereits fest installieren zu lassen, um auch in diesem Fall die Aufstellung eines mobilen Gerätes in der Werkbank während der Herstellung zu vermeiden.

    Halterungen für Sedimentationsplatten

    Gleiches gilt auch für die Sedimentationsplatten, die zur Beurteilung des Reinraumes innerhalb der Werkbank aufgestellt werden sollen. Diese werden im Allgemeinen auf die Arbeitsplatte gestellt und nehmen dort wertvolle Fläche weg. Auch für diese Überwachungsmaßnahme kann man fest installierte Flächen vorsehen, auf die die Platten dann gestellt werden.

    Fazit

    Die Auswahl von passenden Werkbänken wird von vielen Parametern bestimmt. Entscheidend sind hierbei der Einsatzzweck und die Produkte, die darin gehandhabt werden. Wichtig beim Betrieb der Werkbänke sind darüber hinaus eine GMP-konforme Qualifizierung und Requalifizierung sowie eine regelmäßige und sachgerechte Wartung, um den Schutz sowohl für das Produkt als auch für die Mitarbeiter aufrechtzuerhalten.

    Auszug aus dem GMP-BERATER, Kapitel 3 Räume, Maas & Peither AG, GMP-Verlag, Schopfheim (Germany), www.gmp-verlag.de

    Verweise

    1)HEPA: High Efficiency Particulate Filter (ehemals Hosch = Hochleistungs-Schwebstofffilter)
    2)CMR: cancerogen, mutagen, reproduktionstoxisch
    3)BSL: Bio Safety Level (biologische Schutzstufe)