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    Originaldokument
    Convenience und Compliance als Schlüsselargumente am Device-Markt
    Editorial
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    Droid  Signika

    Autor
    Dr. Elke Sternberger-Rützel
    Dr. Elke Sternberger-Rützel studierte an der Uni Tübingen Pharmazie, bevor sie 2002 in Heidelberg in Pharmazeutischer Technologie promoviert wurde. In den darauf folgenden Jahren war sie als Laborleiterin für Verpackung klinischer Prüfmuster, Packmittelentwicklung und Stabilitätsstudien tätig. Ab 2006 setzte sie den Fokus auf Mikrodosierung und leitete unter anderem kommissarisch die Pharmazeutische Entwicklung bei Catalent in Schorndorf , bevor Sie 2009 zu Bosch wechselte, wo sie seither als Pharma-Trendscout beschäftigt ist.

    Drug Delivery Devices (DDD) präsentieren sich in unterschiedlichen Facetten, die wir in dieser Ausgabe näher betrachten. Beginnend von der Entwicklung nebst Übersicht der verschiedenen Arten von DDDs, über die Anforderungen an den Anlagenbau bis hin zu Materialdiskussionen. Was ist das Wichtige an DDDs? Wirklich relevant ist die Entwicklung hin zu mehr Patientenfreundlichkeit durch einfachere Handhabung. Wie überall in der Pharmazeutischen Industrie spiegeln sich auch hier Trends wieder.

    Aus der veränderten Alterspyramide resultiert die Zunahme alter und damit auch häufiger kranken Menschen, was eine seniorenfreundliche (Weiter)Entwicklung notwendig macht. DDDs sollten leicht und vor allem selbst applizierbar sein und bestenfalls auch durch Patienten anwendbar, die etwa wegen arthritischer Erkrankungen eingeschränkt beweglich sind. Damit einhergehend die Frage des Kostendrucks: Was sollte die Allgemeinheit finanzieren? Was sind die Bedürfnisse des Einzelnen, für die er selbst aufkommen soll/muss? Wie verändern sich die Kosten? Betrachtet man die reinen Medikamentenkosten, ist mit einer Preissteigerung zu rechnen.

    Unter Einbeziehung weiterer Faktoren, wie die bessere „Einstellung“ des Patienten und die verbesserte und damit konsequentere Therapieeinhaltung, ist aber langfristig mit einer Kostensenkung beim Arzt und in der Klinik zu rechnen. Ebenfalls „in die Rechnung“ einbezogen werden müssen die verbesserten Möglichkeiten tragbarerer Geräte, die dem Patient eine schnelle mobile Erhebung seiner Werte ermöglichen. Die sich weltweit verändernden finanziellen Möglichkeiten der Patienten – die Spaltung der Weltbevölkerung in arm und reich – spiegeln sich auch im Device-Markt wider: Während die einen auf die Basicdevices mit Einzelarzneiformen zurückgreifen, die bestenfalls eine vom Gesundheitssystem erstattete Therapie ermöglichen, nutzen die anderen Devices, die mit elektronischen Gimmicks mehr an ein SmartPhone erinnern. Convenience und Compliance sind ebenfalls wichtige Argumente für weitere Entwicklungen.

    Aus Sicht des Patienten ist die Convenience ausschlaggebend, da er regelmäßig sein DDD verwenden muss und Compliance als Aspekt der Gesundheitssysteme, das unter allen Umständen unnötige Ausgaben durch mangelnde Therapietreue zu vermeiden sucht. Nicht unerheblich ist auch das Bestreben der Pharma- und Medizinprodukteindustrie, sich durch DDDs vom Wettbewerb abzusetzen. Ein DDD kann der Schlüssel zum Erfolg eines Produktes sein – wenn es den Patientenbedürfnissen gerecht wird und gleichzeitig die Bedürfnisse des medizinischen Personals nicht außer Acht lässt.

    Stichwort Umweltschutz und Nachhaltigkeit: Auch diese Diskussion betrifft DDDs. Gerade bei Entscheidungen wie etwa Materialien, Verpackung, Einweg oder Mehrweg, Herstellmethode oder auch Energieaufwand in der Herstellung spielen Nachhaltigkeitsaspekte – kombiniert mit finanziellen – eine zentrale Rolle. Patienten sind heute auf diese Themen sensibilisiert, so dass sie durchaus Marktanteil bestimmend sein können. Die genannten globalen Trends zwingen Hersteller und Pharmazeuten auf unterschiedliche Märkte einzugehen, spiegeln diese doch die Bedürfnisse der Patienten in den Märkten. Und der Erfolg oder Misserfolg auf dem Markt kann entscheidend durch DDDs beeinflusst werden: Ein Patient wird sich kaum erneut für ein Apotheken- oder verschreibungspflichtiges Medikament (in Kombination mit DDD) entscheiden, wenn er mit der Handhabung unzufrieden ist. Natürlich beeinflusst der Leidensdruck diese Entscheidung enorm. Man muss davon ausgehen, dass mit steigendem Leidensdruck auch die Bereitschaft des Patienten steigt, sich auf „suboptimale“ Devices einzulassen. Allerdings muss das Ziel sein, diese durch optimierte Devices auf dem Markt zu ersetzen.

    Dr. Elke Sternberger-Rützel
    TrendScout, Bosch