Header
 
    Originaldokument

    Pharma 4.0 mit Startschwierigkeiten

    Editorial
    A  A  A 

    Noto Serif  Signika

    Sehr geehrte Leser des TechnoPharm-Journals,

    die Schlagworte „Digitalisierung“, „Internet der Dinge“ und „Industrie 4.0“ sind schon seit Langem in aller Munde und gelten als unverzichtbar für die Wirtschaft von Morgen. Ebenso reflexhaft wie gebetsmühlenartig wird wiederholt, dass sich die deutsche Wirtschaft schnellstens mit diesen Themen befassen muss, will sie nicht den Anschluss an die globale Konkurrenz verlieren. Kaum jemand redet hier noch von einer „Vorreiterrolle“ – hat man sich doch längst daran gewöhnt, dass in Deutschland generierte technologische Durchbrüche eher die Ausnahme als die Regel darstellen.

    Wie steht also die deutsche Pharmabranche in puncto digitale Technik gegenüber anderen deutschen Branchen da? Hierzu kann der „Monitoring-Report Wirtschaft DIGITAL Chemie / Pharma 2016“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) vom Oktober 2016 Input liefern. Dieser misst die Digitalisierung in drei Kerndimensionen: Nutzungsintensität von digitalen Technologien und Diensten, Reorganisation der Unternehmen im Zeichen der Digitalisierung und Geschäftstätigkeiten der Unternehmen auf digitalen Märkten.

    Der Wirtschaftsindex DIGITAL analysiert auf einer Skala von 0–100 (Bestnote) den aktuellen Stand der Digitalisierung der deutschen gewerblichen Wirtschaft und bietet eine Prognose der Entwicklung bis 2021. Die deutschen Chemie- und Pharmabranchen landen hier mit einem Wert von 45 im Mittelfeld und sichern sich Rang 7 der 11 untersuchten Branchen. Die Prognose ist ernüchternd: Bis 2021 sollen der Digitalisierungsgrad stagnieren und die Branchen auf Rang 8 abfallen.

    Zumindest soll die Investitionsbereitschaft für Digitalisierungsprojekte bis 2021 steigen. Dies scheint nur logisch – laut 50  % der Befragten übt die Digitalisierung einen „starken“ oder „sehr starken“ Einfluss auf den Unternehmenserfolg aus. Außerdem halten 72  % ihren eigenen Digitalisierungsgrad für „wichtig“ oder „sehr wichtig“. Zudem: 88  % sind mit dem Digitalisierungsgrad ihres Unternehmens „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“.

    Eine Vision von „Pharma 4.0“ entwickelt ein Beitrag in der TechnoPharm 1/2017; er bezeichnet Industrie 4.0 in der Pharmaproduktion als den Beginn einer Entwicklung hin zu einer vernetzten Gesundheits-Ökonomie. Jedoch bietet er nicht nur Einblick in die Vorteile einer grundlegenden Neuorganisation der Produktionsprozesse. Er nennt auch ganz profane, mit wenig Aufwand zu realisierende Maßnahmen für eine verbesserte Verfahrenstechnik.

    Einen speziellen Aspekt davon, wie die Digitalisierung die Pharmaproduktion verbessern kann, greift ein weiterer Beitrag auf: Wie beinahe in jeder Industrie ist Druckluft auch in der Pharmabranche ein unerlässlicher Energieträger. Mit einer vernetzten Struktur lassen sich enorme Zugewinne bzgl. Kosten/Effizienz, Sicherheit und Zuverlässigkeit realisieren. Der Autor plädiert für eine weitgehende Auslagerung an externe Dienstleister – bis hin zum kompletten Druckluft-as-a-Service.

    Die für den Wirtschaftsindex DIGITAL Chemie / Pharma 2016 befragten Unternehmen haben die Bedeutung der Digitalisierung offenbar erkannt. Jedoch sei die Frage erlaubt: Weshalb schneiden sie dann bzgl. Nutzung von Industrie 4.0 nur durchschnittlich ab? Mehr noch – bei der oben demonstrierten Zufriedenheit mit dem gegenwärtigen Zustand fragt sich der Leser, woher denn der Impetus für höhere Investitionen bis 2021 kommen soll.


    Ihr
    Jens Renke
    Redaktion TechnoPharm

    Originaldokument