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    Die Welt von Morgen braucht Solidarität … und Lösungen

    Statements der Verbände

    Mag. Alexander Herzog · Generalsekretär der PHARMIG – Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs
    Mag. Alexander Herzog

    Ein weiteres Jahr im On-off-Modus liegt hinter uns – ein pandemiebedingter Lockdown folgt dem anderen. Es ist ein Leben, Arbeiten, Wirtschaften und Planen im Krisenmodus. Aber anstatt dass die EU-Länder zusammenrücken, bei der Bekämpfung der Pandemie eng kooperieren, Best Practice betreiben und Maßnahmen abstimmen, driften sie – driften wir – auseinander. Dabei ginge es heute mehr denn je darum, so viel wie möglich von anderen zu lernen, nicht nur im eigenen Land, sondern vernetzt.

    Das Wesen einer Pandemie ist nun einmal ihre grenzüberschreitende Wirkung, genau so muss man sie auch bekämpfen. Bis zum Sommer 2021 und darüber hinaus wurde gezeigt, dass Länder erfolgreich kooperieren können, wenn sie die Not dazu zwingt: etwa bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen Corona, bei diversen Maßnahmen wie Wiederaufbaufonds oder dem grünen Pass.

    Speziell hinsichtlich der COVID-19-Impfstoffe war und ist die länderübergreifende Zusammenarbeit bemerkenswert. Diese positive Entwicklung setzt sich auch fort, wenn es jetzt darum geht, Arzneimittel und Therapien gegen COVID-19 aus der Testphase in den klinischen Alltag zu bringen. Besonders beeindruckend ist hierbei, wie engagiert die EMA arbeitet und welches Maß an Expertise die Behörde einbringt. Die Entwicklung ist das eine – die Verteilung das andere. Und da ist es mit der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit auf einmal nicht weit her.

    Alles andere als fair

    In allen EU-Ländern stehen ausreichend COVID-19-Impfstoffe zur Verfügung. Manche Länder haben hohe Durchimpfungsraten, manche dümpeln aufgrund hoher Impfskepsis oder gar Impfverweigerung bei unzureichenden Prozentsätzen herum. Aber viele Länder, manche sogar innerhalb der EU, vor allem aber in ärmeren Regionen der Welt, brauchen sich dem Problem der Impfverweigerung gar nicht stellen. Denn sie haben gar keine bzw. viel zu wenig Impfstoffdosen für ihre Bevölkerung. Und das, obwohl Ende Nov. 2021 bereits 11,3 Mrd. Impfstoffdosen produziert wurden. Bis Ende 2022 sind sogar rund 24 Mrd. Dosen prognostiziert. Das wäre ausreichend, um die Weltbevölkerung zu versorgen.

    Wir als Industrie haben unsere Hausaufgaben gemacht: Wir haben eine Lösung in Form von sicheren, wirksamen Impfstoffen geliefert, und zwar in unglaublicher Geschwindigkeit. Die Verteilung dessen, was aus den Pharma-Produktionsstätten geliefert wird, ist nicht vorrangig unsere Aufgabe. Wohlgemerkt, nicht vorrangig. Denn ganz will ich unsere Industrie nicht aus dieser Verantwortung heraushalten. Schließlich haben wir uns analog zum oft propagierten „patients first“ dem Wohlsein der Patienten verpflichtet. Erfreulich ist, dass einzelne Unternehmen sehr wohl daran arbeiten, die Verteilungsproblematik lösen zu helfen, etwa durch Unterstützung bei der Vor-Ort-Infrastruktur oder auch den Aufbau von Produktionsstätten.

    Solidarität als erweiterte Aufgabe

    Es ist kein Geheimnis, welche Stellschrauben zu drehen sind, damit auch aktuell benachteiligte Länder ausreichend mit Impfstoffen versorgt werden können. Da geht es um die Hilfe vor Ort, den Ausbau der Gesundheitsinfrastrukturen, um mehr finanzielle Mittel. Es geht auch um den Abbau von Handelshemmnissen. Gerade das erschwert uns als Industrie, unsere Produkte schneller in die unterschiedlichen Märkte transportieren zu können.

    Abseits dieser Maßnahmen liegt die Lösung des Problems aber ganz wesentlich an der Spendenbereitschaft. Im Moment sehen wir nicht mehr als Lippenbekenntnisse. COVAX ist kein Erfolg. Es könnte einer sein. Dazu ist aber mehr Mut erforderlich: Mut seitens der Politik jener Länder, die überproportional Impfstoffe zur Verfügung haben, diese Solidarität zu leben. Denn nur wenn alle gleichen Zugang zu Impfungen haben, lässt sich auch unser gemeinsames Problem, die COVID-19-Pandemie, lösen.

    Von der Masse in die Nische

    Seltene Erkrankungen, die allein aus ihrer Vielfalt heraus im Endeffekt doch eine große Anzahl an Menschen betreffen, stellen – ähnlich der Mutationsgeschwindigkeit eines Virus – auch künftig eine große Herausforderung dar. Immerhin sind 95 % der Erkrankungen noch nicht therapierbar.

    Dort, wo es neue Therapieoptionen gibt, stehen den Patienten in Österreich nach wie vor verworrene Finanzierungsströme im Weg. Leistungen für die Patienten werden nach wie vor aus den unterschiedlichsten Finanztöpfen bezahlt und nicht in allen Bundesländern gleichermaßen. Um diese Ungerechtigkeiten auszugleichen, gehen die pharmazeutischen Unternehmen definitiv die „Extra-Meile“ und erarbeiten gemeinsam mit Spitalsträgern systemverträgliche Finanzierungsmodelle, damit ein uneingeschränkter Zugang zu Therapien für jene Patienten, die sie brauchen, möglich wird.

    Angesichts der Vielzahl noch immer nicht therapierbarer seltener Erkrankungen dürfen wir uns aber von den Problemen bei der Erstattung bzw. Kostenübernahme nicht entmutigen lassen, sondern müssen weiterhin mit kräftigem Forschungsengagement dranbleiben, um noch mehr Krankheiten, ob selten oder nicht, behandel- und heilbar zu machen. Das impliziert auch die Arbeit an günstigen Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung. Forschung und Entwicklung können nur nachhaltig gedeihen, wenn es Kooperation gibt. Dazu ist es essenziell, Silos aufzubrechen und … Daten zu teilen.

    Datenteilen ist das neue Blutspenden

    Partnerschaftlich agieren heißt heute, wo wir über eine unglaubliche Fülle an Daten verfügen, die noch dazu jeden Tag weiter wächst, diese Datenfülle über Ländergrenzen und Systemgrenzen hinaus verfügbar und nutzbar zu machen. In Österreich wurde dafür nun die gesetzliche Grundlage geschaffen: Mit dem Austria Data Center, angesiedelt bei der Statistik Austria, hat das Kind nicht nur einen Namen, sondern auch eine Verortung erhalten, für die wir uns stark gemacht haben. In der Ausgestaltung der Rahmenbedingungen für die Datennutzung zur Forschung passiert in vielen Ländern viel Innovatives. Aber nutzen wir die Möglichkeit der Vernetzung so, wie es angebracht wäre?

    Essenziel ist auch hier, dass Daten zum Vorantreiben der Forschung nicht nur national, sondern international geteilt werden. Sei es nun, um diese oder künftige Pandemien zu bekämpfen, in der Entwicklung von Therapien für seltene Erkrankungen voranzukommen oder einfach nur, wenn es darum geht, von anderen zu lernen, um das eigene Gesundheitssystem zum Wohle der Patienten weiterzuentwickeln. Datenteilen rettet Leben, Vernetzung stärkt die Resilienz des Gesundheitswesens und verbessert die Versorgung. Es liegt an uns, das Wie der Datennutzung mitzugestalten und an besseren Gesundheitslösungen zu arbeiten, die über die Bereitstellung von Medikamenten hinausgehen. Das Teilen von Daten ist, anders als viele andere Bereiche, die uns als Pharmaindustrie beschäftigen, unabhängig von Länderspezifika oder einem Bruttoinlandsprodukt (BIP).

    Für eine gesunde Zukunft

    Im Sommer 2021 ist das Thema Forschungs- und Produktionsstandort Europa so richtig in der Politik aufgeschlagen. Leider mit teils sehr unrealistischen Vorstellungen darüber, was die Branche wirklich braucht, nämlich stabile Rahmenbedingungen, ein ordentliches Preisgefüge oder ein Bewusstsein dafür, dass Patentschutz die Grundlage für alle zukünftigen Innovationen unserer Branche ist.

    Und hier schließt sich der Kreis: Was wir zuallererst für ein gesundes Morgen und einen florierenden Pharmastandort Europa brauchen, ist, dass wir selbst Teil der Lösungen der Zukunft sind und dabei aktiv mit aller uns zur Verfügung stehenden Exzellenz daran arbeiten, diese Zukunft für uns alle positiv zu gestalten.

    Originaldokument