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    Patienten einen raschen Zugang zu Innovationen sichern

    Statements der Verbände

    Dr. René Buholzer · Generalsekretär Interpharma iph
    Dr. René Buholzer

    Top-down-Projekte haben es in der Schweiz schwer. Dies gilt insbesondere im föderalen Schweizer Gesundheitswesen. Um dieses weiterzuentwickeln, müssen Qualität und Effizienz der Gesundheitsversorgung laufend gesteigert werden. Dies gelingt nur, wenn neue Ansätze erprobt werden und der Dialog verstärkt wird. Hier setzt die Stakeholder-Plattform santeneXt an. Die Plattform bringt verschiedene Akteure zusammen, um aktuelle Herausforderungen anhand von Pilotprojekten anzugehen.

    Der medizinische Fortschritt schreitet zurzeit rasch voran. So geht der Trend z. B. in der Erforschung und Behandlung von Krebs hin zu maßgeschneiderten Therapien je nach Stadium der Erkrankung und genetischem Subtyp des Patienten. Die neuen Medikamente werden zudem verstärkt in Kombination eingesetzt, wobei der Nutzen eines Medikaments je nach Indikation unterschiedlich sein kann. Allein in den nächsten 5 Jahren werden mehrere Hundert Zulassungen von neuen Wirkstoffen, neuen Indikationen und Kombinationen innovativer Medikamente erwartet. Die wachsende Zahl an wirksameren Therapien sind gute Neuigkeiten für Patienten. Ihnen stehen künftig mehr Behandlungsoptionen zur Verfügung. Für Behörden, Spitäler, Ärzte, Krankenversicherer und Pharmaindustrie stellt diese Entwicklung aber auch eine Herausforderung dar. Das aktuelle Preisfestsetzungssystem stößt an seine Grenzen und der rasche Zugang der Patienten zu neuen, innovativen Therapien ist gefährdet.

    Mehr Flexibilität im bewährten Preisfestsetzungsmodell

    Um einen raschen Zugang der Patienten zu innovativen Medikamenten sicherzustellen und den Pharmastandort Schweiz attraktiv zu halten, sind effiziente Zulassungsverfahren beim Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic ebenso zentral wie schnelle Verfahren für die Aufnahme neuer Medikamente in die Spezialitätenliste (SL) des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Im vergangenen Jahr kam es jedoch gerade bei innovativen Medikamenten verstärkt zu Verzögerungen bei der SL-Aufnahme. Diese Entwicklung stellt den frühen Zugang für betroffene Patienten in einer Phase des raschen medizinischen Fortschritts infrage. Die gängigen Standardprozesse sind nicht geeignet, um die innovativen Therapien, wie z. B. CAR-T-Zell-Therapien, beurteilen zu können. Es braucht mehr Flexibilität im bewährten Preisfestsetzungsmodell.

    Unakzeptable Priorisierungsmaßnahmen zulasten der Aufnahme von Innovation

    Interpharma und ihre Mitgliedfirmen haben früh den Dialog mit den Stakeholdern gesucht, um Lösungen und Ansätze zu diskutieren. Die unbefriedigende Situation hat sich jedoch im letzten Jahr verschärft, auch weil das Bundesamt für Gesundheit (BAG) Priorisierungsmaßnahmen zugunsten der fristgerechten Umsetzung der 3-jährigen Überprüfung der Medikamentenpreise auf Kosten der Aufnahme von innovativen Medikamenten ergriffen hat. Infolgedessen bearbeitete das BAG während 2 Monaten keine neu eingereichten Dossiers mehr und die Augustsitzung der Eidgenössischen Arzneimittelkommission wurde abgesagt. Auf diese inakzeptable Situation hat Interpharma u. a. mit konkreten Vorschlägen reagiert, wie schnell und pragmatisch ohne Gesetzesänderung der rasche Zugang aller Patienten zu den innovativen Therapien verbessert werden könnte. Dieses Ziel gilt es mit Hochdruck weiterzuverfolgen.

    Medikamente – der einzige regelmäßig überprüfte Bereich

    Dies ist umso gerechtfertigter als die Pharmaindustrie der einzige Akteur im Schweizer Gesundheitswesen ist, der mit den institutionalisierten regulären Preisüberprüfungen und zusätzlichen Preissenkungen seit Jahren einen gewichtigen Beitrag an die Kostendämpfung und zur nachhaltigen Finanzierung des Gesundheitswesens leistet. Allein 2017/2018 wurden 325 Mio. Franken bei der regulären Preissenkung eingespart. Dies ist bereits heute deutlich mehr als die vom BAG erwarteten 180 Mio. Franken für die Jahre 2017–2019. Zudem werden neue und innovative Medikamente z. B. gegen Krebs vom BAG heute i. d. R. nur befristet für ein oder 2 Jahre in die Erstattung aufgenommen und danach erneut überprüft und gesenkt. So erstaunt es auch nicht, dass heute patentgeschützte Medikamente in der Schweiz ein mit den Nachbarländern vergleichbares Preisniveau aufweisen.

    Bei Finanzierung statt bei Kosten ansetzen

    Mit Ernüchterung musste man auch zur Kenntnis nehmen, dass das in die Vernehmlassung gegebene erste Kostendämpfungspaket des Eidgenössischen Departements des Innern einseitig bei den Kosten ansetzt und keine Ansätze für die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems enthält. Warum jetzt, in einer Periode mit vielen, z. T. bedeutenden Innovationen, dringender Handlungsbedarf auf der Kostenseite bestehen soll, wird in der Vernehmlassungsvorlage nicht weiter ausgeführt.

    Das Wachstum der Gesundheitsausgaben in Relation zur Entwicklung des Bruttoinlandprodukts entspricht in der Schweiz überdies der Entwicklung in anderen, wohlhabenderen OECD(Organisation for Economic Co-operation and Development)-Ländern. Interpharma vertritt deshalb mit vielen anderen Akteuren den Standpunkt, dass der Problem- und Handlungsdruck nicht primär aus dem Kostenwachstum entsteht, sondern durch die ungleiche Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen. Mit einer einheitlichen Finanzierung würde bewirkt, dass die erwünschte Verlagerung von stationär zu ambulant von den Kantonen bzw. dem Steuerzahler mitgetragen und sich der Steuer- und Prämienanteil zukünftig parallel entwickeln würden.

    Das in der Vernehmlassungsvorlage vorgeschlagene Referenzpreissystem kann in der vorliegenden Form nicht unterstützt werden und bedarf verschiedener Änderungen, deren Bedingungen Interpharma bereits im Vorfeld klar kommuniziert hat. Klar ist: Originalpräparate mit abgelaufenen Patenten wären im Referenzpreis-Marktsegment mit einem Anteil von etwa 50 % vertreten. Somit würde die forschende Pharmaindustrie im Rahmen des Referenzpreissystems mit Originalpräparaten mit über 50 % zusätzlich zur Kosteneindämmung beitragen. Andere Elemente der Vorlage wie die Anpassung der Vertriebsanteile und Pauschalen im ambulanten Bereich unterstützt Interpharma im Grundsatz, fordert jedoch Korrekturen hin zur Qualitätsorientierung. Ebenso ist der vorgeschlagene Experimentierartikel sinnvoll, der Geltungsbereich für Pilotprojekte muss aber offengehalten und der Adressatenkreis auf die Industrie und weitere Akteure erweitert werden. Wichtig wären gerade auch Projekte, welche die Qualität und Effizienz der Leistungen erhöhen.

    Multistakeholder-Plattform santeneXt: Community Building und Wissenstransfer

    Diesen Ansatz lebt Interpharma und die Krankenversicherung SWICA mit der Gründung der Multistakeholder-Plattform santeneXt (www.santenext.ch.) vor. Das Schweizer Gesundheitssystem braucht mehr Innovation, um auch in Zukunft seine Aufgaben erfüllen zu können. Qualität und Effizienz der Gesundheitsversorgung gilt es laufend zu steigern. Konkret möchte santeneXt den Innovationsprozess zum Wohle der Patienten beschleunigen, in dem die Akteure des Gesundheitswesens gemeinsam aus ihren Erfahrungen lernen. Die Plattform bringt verschiedene Akteure – Leistungserbringer, Versicherer, Forschung, Industrie – zusammen, um aktuelle Herausforderungen anhand von Pilotprojekten konkret anzugehen. Gleichzeitig wird der Austausch zu den Resultaten gefördert. Innovation im Gesundheitssystem erreicht man also durch Kooperation und Wissenstransfer unter den verschiedenen Akteuren. Im Zentrum dieser Kooperation stehen konkrete Pilotprojekte, die neue Lösungsansätze in einem beschränkten zeitlichen oder geografischen Rahmen erproben. Führen diese zu Verbesserungen und haben das Potenzial zu einer Verbreiterung, können sie entsprechend skaliert und multipliziert werden.

    Prix d'excellence santeneXt lanciert

    Um den Prozess weiter zu beschleunigen, hat santeneXt bei ihrer letzten Tagung Anfang Dezember 2018 den Prix d’excellence santeneXt lanciert. Mit ihm sollen herausragende Projekte ausgezeichnet und ihre Visibilität gefördert werden. Der Preis wird unterstützt durch die Firmen AbbVie, Bristol-Myers Squibb, Celgene, Novartis und Roche und in diesem Jahr erstmals vergeben. Projektteams bestehend aus mehreren unterschiedlichen Institutionen des Gesundheitswesens können Projekte einreichen. Diese werden auf Innovationscharakter, Machbarkeit, Nutzen für Patienten sowie Qualität der Zusammenarbeit der beteiligten Akteure beurteilt. Die Preisübergabe erfolgt im Herbst 2019.

    Originaldokument